Resilienz

Resilienz ist seit Jahren in „aller Munde“, ein spannendes Thema – gerade in der immer schneller werdenden, digitalisierten Welt voller Change-Prozesse!
Und immer wieder erlebe ich bei Messen und anderen öffentlichen Veranstaltungen, welche eine Vielfalt an Ansätzen von welchen Persönlichkeiten angeboten werden - zumindest Nachdenklichkeit bleibt da oft in mir zurück. -
Viele Trainings zu diesem Thema beinhalten Achtsamkeitsübungen, Qigong- und Yogaelemente, persönliche Gelassenheitsübungen, Anleitungen für mehr Leichtigkeit im Leben u.v.a. - Sie sind damit zugleich Burnout-Prophylaxe und dienen der persönlichen Entwicklung.
Ich gehe mit vielen Kolleg*innen d’accord, dass man aus schweren und aus Krisenzeiten gestärkt hervor gehen kann und dass die innere Haltung die Basis dafür ist. – „Lernen“ kann man das, doch für mich braucht es dazu mehr als ein eintägiges Team-Events im Grünen oder einen Yoga-Kurs im Rahmen des BGM. Resilienz ist ein individueller Prozess und viele Angebote scheinen mir viel zu kurz gegriffen, so dass der Transfer in den Berufsalltag m.E. nicht gesichert ist.
Alle Teilnehmer*innen bringen – heute mehr denn je – in ihre Coachings, in Seminare und Workshops „viel Leben“, Wissen und ihre eigenen Erfahrungen mit. So kann es für mich auch niemals ein gleiches Vorgehen für verschiedene Teilnehmende, Gruppen und Kunden geben. Vielmehr nähere ich mich mit den Teilnehmenden individuell und feinsinnig dem jeweiligen Ziel. Ziele für die Person und das Team passend zu definieren ist dabei eine meiner Leidenschaften. – Sich duzende Teams und gemeinsame Yoga-Retreats sind noch keine Garanten für High-Performance und Gelassenheit im (Berufs-)Alltag.
Als Kind und Jugendliche lernte ich, was es heißt, schwere Situationen hinzunehmen, sich darin zu befinden, handlungsfähig zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen. Schwere Jahre prägten mich und machten mich zu dem, was ich jetzt bin, Resilienz in Person: ein Mensch mit ausgeprägter persönlicher Stärke. Ohne auszuweichen wähle ich (fast) immer den Weg außerhalb der Komfortzone, um Neues zu erfahren. - Ich habe mehrfach die Alpen überquert, eine 8-monatige Radtour durch Neuseeland gemacht und ein Jahr als Business-Nomadin im Wohnmobil gelebt. – Aber auch das sind m.E. noch keine sicheren Indizien für Resilienz, sie ergänzen die früheren Erfahrungen.
Die (Weiter-)Entwicklung der eigenen oder der Resilienz eines Teams kann in einem Training bestenfalls angeregt werden. Die größere Entwicklung wird sich jedoch über einen Zeitraum vollziehen. Insofern sehe ich eine enge Verbindung zu einem Lernprozess im Sinne des Lernen lernens – inklusive Selbstreflexion – und zum Coaching. Außerdem gehört für mich die Einordnung von persönlicher Resilienz in den Lebenszusammenhang hinzu – gerade auf Seiten des/der Trainer*in. Mit der Reife der Jahre oder durch besondere Lebensumstände kommen auch Erfahrungen, Prüfungen, schwere Zeiten, die der Ausbildung der eigenen Resilienz des/der Trainer*in dienen können oder die deren tatsächliches Ausmaß im Leben „testen“. – Mein Eindruck ist, dass ein Teil der Trainer*innen, die sich diesem verantwortungsvollen, spannenden Bereich widmen, aus ihrem eigenen Need heraus handeln, ohne sich dessen bewusst zu sein. Um diese Prozesse zu stimmig zu begleiten, bedarf es einer hohen Reife des/der Trainer*in, der / die eigene blinde Flecken kennt und eigene Lebensthemen zumindest begonnen hat zu klären. Ich bezweifle, dass viele (und schon gar nicht alle) der vielen Trainer*innen, Personal Trainer und Coaches dies für sich in Anspruch nehmen können. – In diesem Zusammenhang stellt sich mir ohnehin die Frage, wie die Teilnehmenden an einer Ausbildung zum / zur Resilienztrainer*in eigentlich ausgewählt werden... oder ob jeder Interessent auch ausgebildet wird, wenn er bezahlt und teilnimmt.
Meiner Meinung nach kann Resilienz gar nicht in einem herkömmlichen „Training“ erworben werden. Für diesen Reifungs- und Entwicklungsprozess bedarf es einer ganz anderen Herangehensweise und einer ganz anderen Tiefe. - Es ist m.E. eher ein begleitender Prozess, in den sich der/die Teilnehmende/n auch über eine längeren Zeitraum aktiv einbringen müssen und der auch ein Team nachhaltig verändern wird.

 

 

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