Die Regentage des Lebens

Es gibt diese verdammt schweren Tage, an denen das innere Wetter überhaupt nicht mit der Wetter-App übereinstimmt. Draußen kann die Sonne scheinen, und innen ist November. Oder es regnet tatsächlich, was dann wenigstens eine gewisse Ehrlichkeit hat.

An solchen Tagen ist die Begeisterung nicht weg, aber sie liegt unter Asche. Man muss erst einmal ein bisschen darin herumstochern, und manchmal hustet man dabei. Ich mag dieses Bild, weil nicht jeder schwere Tag gleich eine große Lebenskrise sein muss. Manchmal ist man einfach traurig, erschöpft, dünnhäutig oder voller Dinge, die noch keinen Namen haben.

Früher hätte ich solche Tage womöglich schneller bearbeiten wollen. Was ist die Botschaft? Was lerne ich daraus? Wo ist die Lösung? Heute kann ich besser sitzenbleiben. Nicht immer, aber öfter. Ich setze mich irgendwohin, schreibe, schaue in den Himmel, spreche mit einem Menschen, dem ich vertraue, trinke Tee und lasse den Tag erst einmal das sein, was er ist.

Ich habe in solchen Zeiten in Weinbergen gesessen, meine Katze vermisst, Tagebuch geschrieben und mich gefragt, warum ich gerade so schlechte Laune habe, obwohl niemand etwas getan hat, dem ich sie bequem hätte anhängen können. Das ist lästig. Es ist viel einfacher, wenn wenigstens der Nachbar schuld ist.

Regen hat für mich trotzdem etwas Tröstliches. Er macht nichts schöner, indem er so tut, als wäre es trocken. Er fällt. Er macht nass. Und gleichzeitig nährt er, löst Staub, lässt Dinge wachsen, die man an diesem Tag noch nicht sieht.

Ich möchte schwere Tage nicht romantisieren. Manche sind einfach schwer. Schmerz braucht keine hübsche Metapher, um berechtigt zu sein. Aber ich habe gelernt, dass ich mich nicht vor jedem inneren Regen retten muss.

Manchmal verändert sich etwas, während ich bleibe. Nicht spektakulär. Ein Gedanke wird leiser, ein Knoten lockert sich, ich kann wieder einen Zentimeter weitersehen. Mehr braucht es an manchen Tagen nicht.

Regen fällt leise und kann trotzdem eine Landschaft verändern. Das gilt außen. Und ich glaube, innen ist es ähnlich..


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